Incoterms 2020 einfach erklärt: EXW, FCA, DAP und DDP im Überblick
Verkauft ein Schweizer Händler Ware ins Ausland, müssen Käufer und Verkäufer klären: Wer organisiert und bezahlt den Transport? Ab wann trägt der Käufer das Risiko, dass die Ware beschädigt wird oder verloren geht? Wer erledigt die Zollformalitäten? Die Incoterms der Internationalen Handelskammer (ICC) beantworten diese Fragen mit dreibuchstabigen Kürzeln, die weltweit verstanden werden. Hier erfährst du die Grundidee und die wichtigsten Regeln der Fassung 2020.

Was Incoterms regeln und was nicht
Incoterms (International Commercial Terms) legen im Kaufvertrag fest:
- Lieferort: Wo gilt die Ware als geliefert?
- Kostenübergang: Wer trägt welche Transport- und Nebenkosten?
- Gefahrenübergang: Ab wann trägt der Käufer das Risiko für Verlust und Beschädigung?
- Pflichten bei Export- und Importzoll, teilweise auch bei der Versicherung.
Sie regeln nicht, wann das Eigentum an der Ware übergeht, was die Ware kostet oder wann bezahlt wird. Auch Rechtsfolgen bei Vertragsverletzungen sind nicht Teil der Incoterms, sondern des anwendbaren Rechts und des Kaufvertrags.
Die elf Regeln in zwei Gruppen
Für jeden Transportweg (auch multimodal): EXW, FCA, CPT, CIP, DAP, DPU, DDP.
Nur für See- und Binnenschifffahrt: FAS, FOB, CFR, CIF.
Für Verkäufe im Landverkehr mit der Schweiz sind meist die erste Gruppe relevant. Hier die vier, die oft gebraucht werden:
| Regel | Verkäufer | Käufer |
|---|---|---|
| EXW (Ex Works, ab Werk) | Stellt die Ware am vereinbarten Ort bereit | Organisiert und bezahlt den Transport, trägt ab Bereitstellung das Risiko, erledigt meist den Export |
| FCA (Free Carrier, frei Frachtführer) | Übergibt an den Frachtführer des Käufers und erledigt den Export | Organisiert den Hauptlauf und trägt ab Übergabe das Risiko |
| DAP (Delivered at Place) | Liefert auf eigenes Risiko bis zum Bestimmungsort, bereit zum Abladen | Entlädt und erledigt den Import |
| DDP (Delivered Duty Paid) | Liefert bis zum Bestimmungsort inklusive Einfuhrverzollung | Übernimmt die Ware am Bestimmungsort |
Bei jeder Regel gehört der benannte Ort dazu, zum Beispiel «FCA Zürich» oder «DAP Hamburg». Ohne Ortsangabe bleibt die Klausel unklar.
Logi empfiehlt: Aussenhandel und Transportrecht sind Themen der höheren Logistikprüfungen, die du mit Fällen und Übungen trainieren kannst. Dazu passt der Kurs Logistikfachmann/-frau FA auf e-learning.place. Jetzt gratis registrieren und mit der ersten Lerneinheit starten, ohne Kreditkarte.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Fiktives Beispiel: Ein Schweizer Hersteller verkauft Maschinenteile an einen Kunden in Deutschland.
- Vereinbaren die Parteien EXW Winterthur, holt der Käufer die Ware auf dem Werksgelände ab und kümmert sich um Transport und Zoll. Bei einem Schaden auf der Strasse trägt er das Risiko.
- Mit FCA Winterthur übergibt der Verkäufer die Ware dem vom Käufer beauftragten Spediteur und erledigt die Ausfuhr.
- Bei DAP Hamburg organisiert der Verkäufer den Transport und trägt das Risiko, bis die Ware am Bestimmungsort zum Entladen bereitsteht. Die Einfuhrabfertigung liegt beim Käufer.
- Bei DDP Hamburg übernimmt der Verkäufer auch die Einfuhrverzollung. Das setzt Kenntnisse der Zoll- und Steuerregeln im Zielland voraus.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt von Erfahrung, Gewicht der Sendung, Zollkenntnissen und Verhandlungsmacht ab.
Typische Missverständnisse
- Incoterms sind ein Gesetz. Nein, sie sind Vertragsklauseln, die gelten, wenn die Parteien sie vereinbaren.
- Die Version nicht angegeben. Schreibe «Incoterms 2020», denn ältere Fassungen enthalten andere Regeln.
- Die falsche Regel für den Transportweg. FOB, CIF und ähnliche gelten nur für Schiffstransport, nicht für Container im multimodalen Verkehr.
- Zahlungsbedingungen vermischt. «CIF» sagt nichts darüber, wann der Käufer bezahlt.
- Versicherung ungeklärt. Nur wenige Regeln verlangen eine Versicherung des Verkäufers. Kläre, wer was versichert.
Übung: Wer trägt das Risiko?
Vereinbart ist FCA Basel, Incoterms 2020. Die Ware wird in Basel an den Frachtführer des Käufers übergeben und später auf der Strasse beschädigt. Das Risiko ist mit der Übergabe an den Frachtführer auf den Käufer übergegangen. Der Käufer trägt den Schaden und müsste sich bei Bedarf an Frachtführer oder Transportversicherung wenden.
Häufige Fragen
Welche Incoterm-Regel ist für Anfänger am einfachsten?
Das hängt von der Rolle ab. Wer wenig Erfahrung im Export hat, wählt oft FCA oder DAP, weil die Aufgaben klar verteilt sind. EXW und DDP verlangen mehr Kenntnisse bei der Partei, die den Zoll übernimmt.
Muss ich Incoterms im Vertrag angeben?
Sie gelten nur, wenn sie vereinbart sind. Schreibe sie mit benanntem Ort und Jahrgang in den Vertrag und auf die Rechnung.
Wo finde ich die offiziellen Regeln?
Bei der Internationalen Handelskammer (ICC). Dort sind die Incoterms-Regeln in der offiziellen Publikation erhältlich.
Quellen und weiterführende Links
Weiterlernen auf e-learning.place
Logi begleitet dich durch die Kurse der Plattform: mit Praxisfällen, Übungen, Lernkarten und Quiz. So wird aus diesem Artikel eine Lernroutine.
- Passender Kurs: Logistikfachmann/-frau FA: Vorbereitung auf die Berufsprüfung mit Praxisfällen, Rechenwegen und Prüfungsankern.
- Weiterer Kurs: Logistikleiter HFP: Führung, Strategie und Logistikmanagement auf Stufe Höhere Fachprüfung.
- Gratis starten: Alle veröffentlichten Selbstlernkurse lassen sich mit einem Gratiskonto nutzen, mit Werbepausen und ohne Kreditkarte. Kostenlos registrieren oder zuerst die Lernproben ansehen.
- Lernpfade: Lernpfade ordnen mehrere Kurse zu einem Ziel. Alle Lernpfade ansehen oder den gesamten Kurskatalog durchsuchen.
- Premium: werbefrei lernen, mit persönlichem Lernplan, Vorlesen und KI-Lernhilfe. Premium ansehen.