ABC-Analyse im Lager: Schritt für Schritt mit Beispiel
Nicht alle Artikel im Lager sind gleich wichtig. Wenige machen einen grossen Teil des Wertes aus, viele andere nur einen kleinen. Die ABC-Analyse macht dieses Verhältnis sichtbar und hilft, Aufmerksamkeit und Geld dort einzusetzen, wo sie am meisten bewirken. Hier siehst du das Verfahren in fünf Schritten mit einem vollständigen Zahlenbeispiel.

Das Prinzip
Die Analyse teilt Artikel in drei Klassen ein:
- A-Artikel: Wenige Artikel mit hohem Anteil am Wert (zum Beispiel Jahresverbrauch in CHF).
- B-Artikel: Mittlere Bedeutung.
- C-Artikel: Viele Artikel mit kleinem Wertanteil.
Die üblichen Richtwerte sind etwa 80 Prozent des Wertes für A, die nächsten rund 15 Prozent für B und der Rest für C. Das sind Konventionen. Passe die Grenzen an deinen Betrieb an und halte sie fest.
Schritt 1 bis 5 mit Beispiel
Fiktive Ausgangslage: Ein Lager hat zehn Artikel mit folgenden Jahresverbräuchen (Wert in CHF).
| Rang | Artikel | Jahreswert (CHF) | Anteil | Kumuliert |
|---|---|---|---|---|
| 1 | A-101 | 42'000 | 38,2 % | 38,2 % |
| 2 | B-205 | 28'000 | 25,5 % | 63,6 % |
| 3 | C-310 | 16'000 | 14,5 % | 78,2 % |
| 4 | D-412 | 9'000 | 8,2 % | 86,4 % |
| 5 | E-518 | 6'000 | 5,5 % | 91,8 % |
| 6 | F-620 | 4'000 | 3,6 % | 95,5 % |
| 7 | G-733 | 2'500 | 2,3 % | 97,7 % |
| 8 | H-841 | 1'500 | 1,4 % | 99,1 % |
| 9 | I-952 | 700 | 0,6 % | 99,7 % |
| 10 | J-960 | 300 | 0,3 % | 100,0 % |
Schritt 1: Wert festlegen. Hier der Jahresverbrauchswert (Menge × Einstandspreis). Je nach Ziel kann auch die Zugriffshäufigkeit oder der Umsatz gewählt werden.
Schritt 2: Absteigend sortieren. Der grösste Wert steht oben.
Schritt 3: Anteile berechnen. Jahreswert ÷ Gesamtwert. Der Gesamtwert beträgt hier 110'000 CHF. Artikel A-101: 42'000 ÷ 110'000 = 38,2 %.
Schritt 4: Kumulieren. Die Anteile werden von oben nach unten addiert.
Schritt 5: Grenzen ziehen. Mit den Grenzen 80 und 95 Prozent ergibt sich:
- A: Artikel 1 bis 3 (kumuliert 78,2 %), das sind 30 Prozent der Artikel mit 78 Prozent des Wertes.
- B: Artikel 4 bis 6 (bis 95,5 %), 30 Prozent der Artikel mit gut 17 Prozent des Wertes.
- C: Artikel 7 bis 10, 40 Prozent der Artikel mit nur 4,5 Prozent des Wertes.
Ob Artikel 3 mit 78,2 % noch zu A zählt oder erst Artikel 4 den Wert von 80 Prozent überschreitet, ist eine Entscheidung. Lege vorher eine Regel fest, zum Beispiel «A ist, was bis knapp unter 80 Prozent kumuliert». Dann ist sie nachvollziehbar.
Logi empfiehlt: Die ABC-Analyse ist ein klassisches Prüfungsthema der Lagerlogistik und lässt sich in Excel in wenigen Minuten nachbauen. Dazu passt der Kurs Logistikfachmann/-frau FA auf e-learning.place. Jetzt gratis registrieren und mit der ersten Lerneinheit starten, ohne Kreditkarte.
Was folgt aus den Klassen?
| Klasse | Disposition | Lagerplatz | Kontrolle |
|---|---|---|---|
| A | Genau planen, kleine Bestellmengen, häufige Prüfung | Nahe beim Packplatz, gut zugänglich | Strenge Bestandskontrolle |
| B | Regelmässig prüfen, mittlere Mengen | Normale Zonen | Periodische Kontrolle |
| C | Grosse Bestellmengen, einfache Regeln | Hintere oder höhere Plätze | Einfache Kontrolle |
Aber Vorsicht: Eine ABC-Analyse nach Wert sagt wenig über die Häufigkeit der Zugriffe. Für die Anordnung im Lager bringt eine Analyse der Entnahmen (Picks) oft mehr. Wähle die Messgrösse passend zur Frage.
Die XYZ-Analyse als Ergänzung
Die XYZ-Analyse klassifiziert Artikel nach der Schwankung des Verbrauchs: X-Artikel haben gleichmässigen Verbrauch, Y-Artikel schwanken, Z-Artikel sind unregelmässig. Kombinierst du ABC und XYZ, erkennst du zum Beispiel AX-Artikel (hoher Wert, gut planbar) und CZ-Artikel (kleiner Wert, schwer planbar) und kannst sie unterschiedlich steuern.
Übung: Zuordnen
Zu welcher Klasse gehört Artikel D-412 mit einem Jahreswert von 9'000 CHF? Sein Einzelanteil beträgt 9'000 ÷ 110'000 = 8,2 %. Er steht auf Rang 4, der kumulierte Anteil liegt dort bei 86,4 %. Das ist über der A-Grenze von rund 80 % und unter der B-Grenze von 95 %, also gehört er zur Klasse B. Entscheidend ist der kumulierte Anteil an seiner Stelle in der sortierten Liste, nicht sein Einzelanteil.
Häufige Fragen
Welche Grenzen sind richtig?
Es gibt keine allgemeingültigen. 80/15/5 sind verbreitete Richtwerte. Wichtiger ist, dass du die Grenzen festlegst, begründest und konsequent anwendest.
Wie oft sollte ich die Analyse wiederholen?
Wenn sich Sortiment oder Nachfrage verändern, mindestens einmal jährlich. Bei saisonalen Artikeln lohnt ein kürzerer Rhythmus.
Kann ich das in Excel machen?
Ja. Sortiere die Tabelle, berechne Anteile und die kumulierte Summe und markiere die Klassen mit einer Formel. Genau das übst du im Excel-Kurs.
Quellen und weiterführende Links
Weiterlernen auf e-learning.place
Logi begleitet dich durch die Kurse der Plattform: mit Praxisfällen, Übungen, Lernkarten und Quiz. So wird aus diesem Artikel eine Lernroutine.
- Passender Kurs: Logistikfachmann/-frau FA: Vorbereitung auf die Berufsprüfung mit Praxisfällen, Rechenwegen und Prüfungsankern.
- Weiterer Kurs: Logistiker/in EFZ Berufskunde (BiVo 2024): Berufskunde Schritt für Schritt bis zum Qualifikationsverfahren.
- Weiterer Kurs: Excel und Datenanalyse für den Beruf: Tabellen, Formeln, Auswertungen und Berichte.
- Gratis starten: Alle veröffentlichten Selbstlernkurse lassen sich mit einem Gratiskonto nutzen, mit Werbepausen und ohne Kreditkarte. Kostenlos registrieren oder zuerst die Lernproben ansehen.
- Lernpfade: Lernpfade ordnen mehrere Kurse zu einem Ziel. Alle Lernpfade ansehen oder den gesamten Kurskatalog durchsuchen.
- Premium: werbefrei lernen, mit persönlichem Lernplan, Vorlesen und KI-Lernhilfe. Premium ansehen.