Lagerkennzahlen berechnen: Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer
Wie schnell dreht sich dein Lager? Wie lange liegt Ware im Durchschnitt, bevor sie verkauft wird? Und was kostet das gebundene Kapital? Die wichtigsten Lagerkennzahlen beantworten diese Fragen mit wenigen Formeln. Hier lernst du sie mit einem durchgehenden Zahlenbeispiel anzuwenden und typische Fehler zu vermeiden.

Die Ausgangslage
Fiktives Beispiel: Ein Grosshändler hat im Jahr einen Warenverbrauch (Wareneinsatz) von 1'200'000 CHF. Der Lagerbestand betrug zu Jahresbeginn 260'000 CHF und am Jahresende 340'000 CHF.
Kennzahl 1: Durchschnittlicher Lagerbestand
Durchschnittlicher Lagerbestand = (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2
Im Beispiel: (260'000 + 340'000) ÷ 2 = 300'000 CHF.
Genauer wird der Durchschnitt, wenn du mehrere Stichtage nimmst, zum Beispiel jeden Monatsende-Bestand. Saisonale Schwankungen verfälschen sonst das Bild.
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Kennzahl 2: Umschlagshäufigkeit
Umschlagshäufigkeit = Warenverbrauch ÷ durchschnittlicher Lagerbestand
Im Beispiel: 1'200'000 ÷ 300'000 = 4,0. Das Lager «dreht» sich viermal im Jahr.
Wichtig: Zähler und Nenner müssen in derselben Einheit stehen, entweder beide in CHF zu Einstandspreisen oder beide in Stück. Wer Verkaufspreise mit Einstandswerten mischt, erhält falsche Ergebnisse.
Kennzahl 3: Durchschnittliche Lagerdauer
Durchschnittliche Lagerdauer = Tage im Jahr ÷ Umschlagshäufigkeit
Im Beispiel mit 360 Tagen: 360 ÷ 4,0 = 90 Tage. Mit 365 Tagen wären es 91,25 Tage. Notiere deshalb, welche Tageszahl du verwendest. Im kaufmännischen Rechnen wird oft mit 360 Tagen gerechnet, das gilt aber nicht überall.
Kennzahl 4: Lagerzins und Lagerzinssatz
Gebundenes Kapital kostet Zinsen, selbst wenn kein Kredit besteht, denn das Geld könnte anders verwendet werden.
Lagerzinsen = durchschnittlicher Lagerbestand × Zinssatz
Mit einem erfundenen Zinssatz von 4 Prozent: 300'000 × 0,04 = 12'000 CHF pro Jahr. Senkt der Betrieb den durchschnittlichen Bestand auf 240'000 CHF, sinken die Zinsen auf 9'600 CHF. Das ergibt eine Ersparnis von 2'400 CHF im Jahr, vorausgesetzt, die Lieferfähigkeit leidet nicht.
Weitere Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | Aussage | Formel |
|---|---|---|
| Lagerreichweite | Wie lange reicht der Bestand? | Bestand ÷ durchschnittlicher Verbrauch pro Tag |
| Servicegrad (Lieferbereitschaft) | Wie oft kann ab Lager geliefert werden? | Termingerecht erfüllte Positionen ÷ alle Positionen × 100 |
| Lagerauslastung | Wie voll ist das Lager? | Belegte Plätze ÷ vorhandene Plätze × 100 |
Deuten statt nur rechnen
Eine hohe Umschlagshäufigkeit senkt Lagerkosten, bedeutet aber nicht automatisch Gutes. Wenn Ware oft ausgeht, leidet der Servicegrad. Eine tiefe Umschlagshäufigkeit bindet Kapital und erhöht das Risiko von Ladenhütern. Beurteile Kennzahlen immer zusammen und im Vergleich: mit dem Vorjahr, zwischen Artikelgruppen oder zwischen Standorten.
Typische Rechenfehler
- Falscher Bestand: Nur den Endbestand zu nehmen, statt den Durchschnitt.
- Einheiten vermischt: Verbrauch in Stück, Bestand in CHF.
- Zeitraum nicht abgestimmt: Jahresverbrauch geteilt durch einen Monatsbestand.
- Tageszahl nicht genannt: 360 oder 365, ohne Hinweis.
Übung: Rechne selbst
Ein Lager hat einen Jahresverbrauch von 600'000 CHF. Anfangsbestand 90'000 CHF, Endbestand 110'000 CHF. Durchschnittlicher Bestand: 100'000 CHF. Umschlagshäufigkeit: 600'000 ÷ 100'000 = 6,0. Lagerdauer mit 360 Tagen: 360 ÷ 6 = 60 Tage. Bei einem Lagerzinssatz von 5 Prozent betragen die Lagerzinsen 100'000 × 0,05 = 5'000 CHF.
Häufige Fragen
Welche Tageszahl soll ich nehmen?
Verwende die Konvention deines Betriebs oder deiner Prüfung und halte sie fest. Beide Zahlen sind verbreitet.
Ist eine hohe Umschlagshäufigkeit immer gut?
Nein. Sie spart Kapitalkosten, kann aber auf zu knappe Bestände hindeuten. Prüfe sie mit dem Servicegrad.
Wo übe ich solche Rechnungen?
Am besten mit eigenen Zahlen aus dem Betrieb oder mit Beispielen in den Kursen. Eine Tabellenkalkulation hilft beim Nachrechnen.
Quellen und weiterführende Links
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