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Selbständig werden in der Schweiz: Rechtsform, Versicherungen und Checkliste

Der Schritt in die Selbständigkeit beginnt mit einer Idee und vielen Fragen: Welche Rechtsform passt? Welche Versicherungen brauche ich? Was kostet die Gründung? Dieser Artikel gibt einen Überblick und eine Checkliste. Er ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Prüfe die Details bei den zuständigen Stellen oder bei einer Fachperson.

Logis Merksatz: Wähle die Rechtsform nach Haftung, Kapital und Aufwand, und kläre die Sozialversicherungen, bevor du kündigst.
Logis Merksatz zu diesem Artikel

Die gängigen Rechtsformen im Vergleich

Merkmal Einzelunternehmen GmbH AG
Mindestkapital Keines 20'000 CHF Stammkapital 100'000 CHF Aktienkapital, davon mindestens 50'000 CHF einbezahlt
Haftung Unbeschränkt, auch mit Privatvermögen Auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt (Ausnahmen möglich) Auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt (Ausnahmen möglich)
Gründung Einfach, oft ohne Notar Öffentliche Urkunde, Handelsregister Öffentliche Urkunde, Handelsregister
Buchführung Je nach Umsatz vereinfacht oder vollständig Vollständig Vollständig
Passt zu Kleinen Start-ups, Selbständigen ohne grosse Haftungsrisiken Kleinen Teams mit Haftungsbegrenzung Grösseren Vorhaben und Investoren

Weitere Formen sind die Kollektivgesellschaft oder der Verein. Die Rechtsform beeinflusst Haftung, Steuern, Aufwand und Aussenwirkung. Sie lässt sich später ändern, aber das ist aufwendig.

Handelsregister und Firmenname

Einzelunternehmen müssen sich ins Handelsregister eintragen, wenn sie einen Jahresumsatz von mindestens 100'000 CHF erzielen oder ein bestimmtes Gewerbe betreiben. Gesellschaften wie GmbH und AG entstehen mit dem Eintrag. Der Firmenname muss unterscheidbar sein. Prüfe Namen im Handelsregister (Zefix) und bei Markenregistern, bevor du Visitenkarten druckst.

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Sozialversicherungen für Selbständigerwerbende

Als Selbständige bist du für die Sozialversicherungen selbst verantwortlich:

  • AHV/IV/EO: Pflichtig. Du rechnest über eine Ausgleichskasse ab.
  • Unfallversicherung: Für Selbständige freiwillig, aber wichtig. Ohne sie bist du bei Unfall nicht gegen Erwerbsausfall und Heilungskosten gesichert, soweit die Krankenkasse nicht zahlt.
  • Krankentaggeld: Freiwillig. Es gleicht Erwerbsausfall bei Krankheit aus. Lies Wartefristen und Leistungen genau.
  • Berufliche Vorsorge (Pensionskasse): Für Selbständige freiwillig.
  • Säule 3a: Ohne Pensionskasse ist ein höherer Einzahlungsbetrag möglich.

Plane diese Kosten im Budget ein, nicht nur das Einkommen vor Abzügen.

Mehrwertsteuer (MWST)

Du bist grundsätzlich mehrwertsteuerpflichtig, wenn dein Jahresumsatz aus steuerbaren Leistungen mindestens 100'000 CHF beträgt. Darunter ist die Registrierung freiwillig. Prüfe die Regeln bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung, denn es gibt Ausnahmen und Vereinfachungen.

Eine Checkliste für den Start

  1. Idee prüfen: Sprich mit mindestens fünf möglichen Kundinnen und Kunden. Würden sie zahlen, und wie viel?
  2. Zahlen rechnen: Einnahmen, Fixkosten, Privatbedarf und Reserve. Wie lange reicht dein Geld ohne Umsatz?
  3. Rechtsform wählen: Haftung, Kapital und Aufwand abwägen.
  4. Versicherungen klären: Unfall, Krankentaggeld, Haftpflicht und Vorsorge.
  5. Buchhaltung einrichten: Konto, Belegablage, Software oder Treuhänder.
  6. Anmelden: Ausgleichskasse, gegebenenfalls Handelsregister und MWST.
  7. Auftritt gestalten: Name, Webseite, Preise, Vertragsbedingungen.
  8. Notfallplan schreiben: Was tust du bei Krankheit oder Auftragsausfall?

Ein Rechenbeispiel zur Reserve

Annahme (erfunden): Dein monatlicher Bedarf (Privat und Geschäft) beträgt 6'500 CHF. Du willst sechs Monate Reserve. Das ergibt 6'500 × 6 = 39'000 CHF. Wenn du erst 15'000 CHF gespart hast, fehlen 24'000 CHF, also mehrere Monate Aufbauzeit, bevor du kündigst, oder ein Teilzeit-Start neben der Anstellung.

Typische Fehler

  • Ohne Versicherungen starten: Ein Unfall ohne Taggeld kann existenzbedrohend sein.
  • Zu optimistisch rechnen: Der Umsatz kommt oft später und tiefer als erwartet.
  • Privat und Geschäft vermischen: Trenne Konten von Anfang an.
  • Verträge nicht klären: Preise, Zahlungsfristen und Haftung gehören schriftlich festgehalten.
Übung: Rechtsform wählen

Fall: Eine Grafikerin startet allein mit einem Laptop und wenig Risiko. Kapital ist knapp. Wahrscheinlich passt das Einzelunternehmen: kein Mindestkapital, einfache Gründung. Sie sollte aber Unfall- und Taggeldversicherung abschliessen. Fall: Zwei Personen starten ein Unternehmen mit teuren Maschinen und Haftungsrisiken. Hier lohnt sich die Prüfung einer GmbH.

Häufige Fragen

Wie viel kostet eine GmbH-Gründung?

Neben dem Stammkapital fallen Kosten für Urkunde, Handelsregister und gegebenenfalls Beratung an. Frage Notariat und Handelsregister nach aktuellen Tarifen.

Kann ich nebenberuflich starten?

Ja. Prüfe Arbeitsvertrag, Konkurrenzverbot und Sozialversicherungen. Informiere dich bei der Ausgleichskasse.

Wo finde ich offizielle Infos?

Das KMU-Portal des Bundes und die Kantone bieten Informationen und Checklisten.

Quellen und weiterführende Links

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