Scrum oder Kanban? So entscheidest du, was zu deinem Team passt
Scrum und Kanban sind die bekanntesten agilen Arbeitsweisen. Beide helfen, Arbeit sichtbar zu machen und schrittweise zu liefern, aber sie funktionieren unterschiedlich. Dieser Artikel zeigt die Unterschiede und gibt dir Fragen an die Hand, mit denen du entscheidest, was zu deinem Team passt. Die Beschreibung von Scrum folgt dem Scrum Guide 2020.

Scrum in Kürze
Scrum arbeitet in Sprints, also festen Zeitabschnitten von höchstens einem Monat. Am Ende eines Sprints soll ein nutzbares Ergebnis (Inkrement) stehen.
- Verantwortlichkeiten: Das Scrum Team besteht aus Product Owner (verantwortet den Nutzen und das Product Backlog), Scrum Master (unterstützt das Team bei Scrum) und Developers (setzen um).
- Ereignisse: Sprint, Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review, Sprint Retrospective.
- Artefakte: Product Backlog, Sprint Backlog, Inkrement.
Das Team verpflichtet sich auf ein Sprintziel. Änderungen am Umfang werden im Laufe des Sprints so gehandhabt, dass das Sprintziel nicht gefährdet wird.
Kanban in Kürze
Kanban kommt ohne feste Zeitabschnitte aus. Arbeit fliesst kontinuierlich über ein Board, dessen Spalten die Arbeitsschritte zeigen (zum Beispiel «Offen», «In Arbeit», «Prüfung», «Erledigt»). Kernideen:
- Arbeit sichtbar machen: Jede Aufgabe ist eine Karte auf dem Board.
- WIP begrenzen: Das Work in Progress, also die Zahl gleichzeitig laufender Aufgaben, hat pro Spalte eine Obergrenze. Das verhindert Überlastung.
- Fluss steuern: Du misst, wie lange Aufgaben vom Start bis zum Abschluss brauchen (Durchlaufzeit), und suchst Engpässe.
- Regeln explizit machen: Wann gilt etwas als fertig? Wer entscheidet?
- Gemeinsam verbessern: Regelmässige Besprechungen zum Fluss.
Neue Aufgaben können jederzeit hinzukommen, solange das WIP-Limit es erlaubt.
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Die Unterschiede im Überblick
| Merkmal | Scrum | Kanban |
|---|---|---|
| Rhythmus | Feste Sprints (maximal ein Monat) | Kontinuierlicher Fluss |
| Rollen | Product Owner, Scrum Master, Developers | Keine vorgeschrieben |
| Planung | Sprint Planning zu Beginn | Laufend, bei freier Kapazität |
| Änderungen | Während des Sprints zurückhaltend | Jederzeit möglich |
| Messgrössen | Sprintziel, Inkrement, oft Velocity | Durchlaufzeit, WIP, Durchsatz |
| Begrenzung | Zeit (Sprint) | Gleichzeitige Arbeit (WIP-Limit) |
Entscheidungsfragen
- Wie kommt die Arbeit herein? Als Produktentwicklung mit planbarem Umfang (eher Scrum) oder als laufender Strom von Anfragen, Störungen und Aufträgen (eher Kanban)?
- Wie wichtig sind feste Liefertermine pro Zeitabschnitt? Wenn das Team in Zielen für zwei Wochen denkt, passt Scrum.
- Wie stabil sind die Prioritäten? Wechseln sie täglich, passt Kanban besser.
- Sind Rollen klar besetzt? Scrum verlangt einen Product Owner mit Entscheidungsbefugnis.
- Was soll verbessert werden? Fokus und Lieferrhythmus (Scrum) oder Überlastung und Wartezeiten (Kanban)?
Beispiele aus dem Alltag
Produktteam einer Software: Das Team entwickelt eine App in Zweiwochen-Sprints. Scrum passt, weil es ein Produktziel und regelmässige Auslieferung gibt.
Support-Team im Lager-IT-Betrieb: Täglich kommen neue Tickets herein, Prioritäten wechseln. Kanban mit WIP-Limit pro Person hilft, Aufgaben zu Ende zu bringen und Wartezeiten zu messen.
Marketing-Team: Redaktionsplan mit Kampagnen und kurzfristigen Anfragen. Eine Kombination kann passen: Quartalsziele mit Sprints für Kampagnen und ein Kanban-Board für kurzfristige Aufgaben.
Scrum und Kanban kombinieren
Viele Teams nutzen Elemente beider: Sprints und Rollen aus Scrum, dazu ein Board mit WIP-Limit aus Kanban. Das wird oft «Scrumban» genannt. Wichtig ist nicht der Name, sondern dass du bewusst auswählst, was dein Problem löst.
Typische Fehler
- Methode kopieren, ohne Ziel: Frage immer, welches Problem gelöst werden soll.
- WIP-Limits ignorieren: Ohne Limit ist ein Board nur eine Liste.
- Retrospektive streichen: Ohne Verbesserungsrunden bleibt es bei der Form.
- Product Owner ohne Befugnis: Entscheide müssen im Team fallen können.
Übung: Wähle die Methode
Fall: Ein kleines Team in der Buchhaltung bearbeitet täglich wechselnde Anfragen von Kundschaft und Geschäftsleitung, plant aber auch den Jahresabschluss. Vorschlag: Ein Kanban-Board mit WIP-Limit für die laufenden Anfragen, dazu ein Meilensteinplan für den Jahresabschluss. Begründung: Die Arbeit kommt als Strom, und Priorisierung und Fluss stehen im Vordergrund, nicht Sprintziele.
Häufige Fragen
Ist Scrum nur für Software?
Nein. Es wird auch in Marketing, Entwicklung und Verwaltung eingesetzt. Entscheidend ist, ob die Arbeit in Zielen pro Zeitabschnitt planbar ist.
Braucht Kanban Software?
Nein, ein Whiteboard mit Haftnotizen genügt. Digitale Tools helfen, wenn das Team verteilt arbeitet.
Wo finde ich die offizielle Beschreibung von Scrum?
Im Scrum Guide.
Quellen und weiterführende Links
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- Passender Kurs: Projektmanagement mit Scrum und Kanban: Agil arbeiten in der Schweizer Praxis.
- Weiterer Kurs: Scrum und Kanban – Fortgeschritten: Produkt und Wert steuern, Fluss vorhersagen, Teams führen.
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