Digitalisierung in der Logistik: Vom Papierzettel zum Datenfluss
In vielen Lagern liegen Lieferscheine noch auf Papier, Bestände werden von Hand nachgetragen und Daten doppelt erfasst. Digitalisierung bedeutet nicht einfach «Software kaufen», sondern einen Ablauf so zu gestalten, dass Daten einmal sauber entstehen und überall wiederverwendet werden. Der Wareneingang ist ein gutes Übungsfeld, weil er klein, wiederkehrend und messbar ist.

Ausgangslage: Der Wareneingang auf Papier
Fiktives Beispiel: Ein Grosshändler nimmt täglich etwa dreissig Lieferungen an. Der Ablauf heute: Der Fahrer übergibt den Lieferschein. Die Mitarbeiterin vergleicht Menge und Zustand, vermerkt Abweichungen von Hand und legt den Zettel in einen Korb. Am Nachmittag tippt eine Kollegin die Daten ins System. Zwei Probleme zeigen sich: Der Bestand im System hinkt einen halben Tag hinterher, und Tippfehler fallen erst auf, wenn jemand Ware sucht.
Was ein Datenfluss braucht: eindeutige Kennzeichnung
Damit Daten zuverlässig fliessen, muss jedes Ding eindeutig erkennbar sein. Dafür gibt es weltweit genutzte Standards von GS1:
- GTIN (Global Trade Item Number): identifiziert einen Artikel, bekannt als Zahl unter dem Strichcode auf Verkaufsverpackungen.
- SSCC (Serial Shipping Container Code): identifiziert eine Logistikeinheit wie eine Palette oder ein Paket.
- GLN (Global Location Number): identifiziert einen Ort oder Standort, etwa ein Lager oder eine Rampe.
Mit diesen Nummern lässt sich eine Palette beim Eintreffen scannen, mit der Vorabmeldung des Lieferanten (dem elektronischen Lieferavis) abgleichen und direkt dem richtigen Auftrag zuordnen.
Logi empfiehlt: Prozesse beschreiben, Daten auswerten und Kennzahlen deuten sind Kernthemen der Logistik-Kurse. Dazu passt der Kurs Logistikfachmann/-frau FA auf e-learning.place. Jetzt gratis registrieren und mit der ersten Lerneinheit starten, ohne Kreditkarte.
Der Soll-Ablauf in fünf Schritten
- Avis empfangen: Der Lieferant meldet die Lieferung vorab elektronisch an.
- Palette scannen: Der SSCC-Barcode wird am Eingang gelesen.
- Abgleich: Das System zeigt Soll und Ist. Abweichungen werden direkt am Gerät erfasst, mit Foto bei Schäden.
- Einlagern: Das System schlägt einen Lagerplatz vor. Der Platz wird gescannt und bestätigt.
- Rückmeldung: Das System meldet Bestand und Abweichungen automatisch weiter an Einkauf und Buchhaltung.
Der Vorteil: Eine Erfassung statt zwei, Bestände sofort aktuell und Abweichungen mit Beleg.
Typische Stolpersteine
- Stammdaten: Falsche Masse, Gewichte oder Artikelnummern führen zu falschen Vorschlägen. Bereinige Stammdaten vor dem Start.
- Medienbrüche: Wenn Daten zwischen Systemen von Hand übertragen werden, gehen Vorteile verloren. Prüfe Schnittstellen früh.
- Akzeptanz: Wer die Geräte täglich nutzt, muss den Ablauf mitgestalten. Beziehe das Team schon bei der Planung ein.
- Sonderfälle: Beschädigte Ware, fehlende Etiketten oder Teillieferungen brauchen klare Regeln. Plane sie ein, bevor du startest.
Ein Pilot mit klarem Mass
Starte klein, etwa mit einer Rampe oder einem Lieferanten. Lege vorher fest, woran du Erfolg misst:
- Durchlaufzeit: Wie lange dauert es vom Eintreffen bis zum verfügbaren Bestand?
- Fehlerquote: Wie oft stimmen Menge oder Artikel nicht mit dem Avis überein?
- Nacharbeit: Wie oft müssen Daten nachträglich korrigiert werden?
Miss diese Werte vier Wochen vor und vier Wochen nach dem Pilot, und halte die Resultate in einer Tabelle fest. So entscheidest du mit Daten, ob du ausweitest.
Übung: Welche Kennzahl passt?
Aufgabe: «Die Bestände im System sind oft falsch.» Eine passende Kennzahl ist die Inventurdifferenz, also der Unterschied zwischen Systembestand und gezähltem Bestand pro Artikel, ergänzt um die Zeit zwischen Wareneingang und Verbuchung. Sie zeigt, ob der Digitalisierungsschritt das eigentliche Problem löst.
Häufige Fragen
Muss ich ein WMS einführen, um zu digitalisieren?
Nicht zwingend. Ein Lagerverwaltungssystem (WMS) ist nützlich, wenn viele Lagerplätze und Bewegungen zu steuern sind. Für kleine Betriebe kann ein sauberer Scanprozess mit dem vorhandenen ERP genügen.
Wie finde ich heraus, welcher Schritt zuerst kommt?
Zeichne den heutigen Ablauf auf und markiere, wo Daten doppelt erfasst werden oder Fehler entstehen. Dort beginnst du.
Welche Kenntnisse helfen dabei?
Prozessbeschreibung, Grundlagen der Kennzahlen und Datenauswertung in Excel helfen, Verbesserungen sichtbar zu machen.
Quellen und weiterführende Links
Weiterlernen auf e-learning.place
Logi begleitet dich durch die Kurse der Plattform: mit Praxisfällen, Übungen, Lernkarten und Quiz. So wird aus diesem Artikel eine Lernroutine.
- Passender Kurs: Logistikfachmann/-frau FA: Vorbereitung auf die Berufsprüfung mit Praxisfällen, Rechenwegen und Prüfungsankern.
- Weiterer Kurs: Logistikleiter HFP: Führung, Strategie und Logistikmanagement auf Stufe Höhere Fachprüfung.
- Weiterer Kurs: Excel und Datenanalyse für den Beruf: Tabellen, Formeln, Auswertungen und Berichte.
- Gratis starten: Alle veröffentlichten Selbstlernkurse lassen sich mit einem Gratiskonto nutzen, mit Werbepausen und ohne Kreditkarte. Kostenlos registrieren oder zuerst die Lernproben ansehen.
- Lernpfade: Lernpfade ordnen mehrere Kurse zu einem Ziel. Alle Lernpfade ansehen oder den gesamten Kurskatalog durchsuchen.
- Premium: werbefrei lernen, mit persönlichem Lernplan, Vorlesen und KI-Lernhilfe. Premium ansehen.