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Logistikfachmann/-frau FA · Öffentliche Lernprobe

Bestand und Verfügbarkeit: Was ist tatsächlich lieferbar?

80 Stück im System, 62 im Regal: Ordne Bestände ein und verbinde Material-, Informations- und Wertfluss.

Lies den Fall, beantworte die Fragen zuerst selbst und öffne danach die Musterlösung. Du brauchst kein Konto. Deine Antworten bleiben bei dir.

Theorie

Die Situation

Montag, 06:45 Uhr, Limmat Logistik AG. Das Handelslager für Haushalt- und Gartenartikel hat 4 200 Palettenplätze und rund 1 800 Artikel. Die Lagerleiterin, Frau Brunner, bekommt zwei Meldungen: Im Wareneingang steht ein Lieferwagen mit Mixern, und im Verkauf fragt eine Kollegin, ob 80 Kaffeemaschinen für einen Grosskunden verfügbar sind. Im System stehen 80, im Regal sieht der Kommissionierer nur 62. Frau Brunner fragt dich als neue Fachperson: «Haben wir die Ware, ja oder nein?» Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was du mit «haben» meinst.

Das kannst du danach

  • Lager, Lagerung und Lagerlogistik fachlich abgrenzen
  • fünf Gründe nennen, weshalb ein Unternehmen lagert
  • Materialfluss, Informationsfluss und Wertfluss unterscheiden und verbinden
  • erklären, weshalb vorhandene Ware nicht automatisch verfügbare Ware ist

01 · Drei Begriffe, drei Ebenen: Das Lager ist der Ort oder die Einrichtung, in der Ware liegt. Die Lagerung ist die Tätigkeit des Aufbewahrens. Die Lagerlogistik ist mehr: Sie ist die geplante, kontrollierte und dokumentierte Führung von Gütern zwischen zwei Prozessschritten. Dazu gehört alles, was nötig ist, damit Ware angenommen, geprüft, identifiziert, eingelagert, geschützt, verfügbar gehalten, kommissioniert, verpackt, versandt und dokumentiert wird. Sie beginnt nicht erst am Regal und endet nicht am Warenausgangstor: Schon die Frage, ob eine Lieferung korrekt angenommen wurde, gehört dazu.

02 · Warum ein Unternehmen lagert: Beschaffung, Produktion, Verkauf und Transport finden selten im selben Moment und in derselben Menge am selben Ort statt. Das Lager gleicht diese Unterschiede aus. Fachlich unterscheidet man fünf Funktionen: den Zeitausgleich (der Lieferant liefert wöchentlich, die Produktion verbraucht täglich), den Mengenausgleich (der Lieferant liefert Paletten, der Kunde bestellt Einzelstücke), den Raumausgleich (produziert wird weit weg, verkauft wird in der Region), den Qualitätsausgleich (Ware muss geprüft, gereift oder freigegeben werden) und die Sicherungsfunktion (Puffer gegen Lieferausfälle und Nachfragespitzen). Wenn ein Bestand keine dieser Funktionen erfüllt, ist er vermutlich nur gebundenes Kapital.

03 · Die drei Flüsse: Der Materialfluss ist die körperliche Bewegung der Ware. Der Informationsfluss umfasst Bestellungen, Lieferscheine, Stammdaten, Lagerplätze, Scans und Buchungen im ERP (Enterprise Resource Planning, die zentrale Unternehmenssoftware) oder im WMS (Warehouse-Management-System, die Lagerverwaltungssoftware, im deutschsprachigen Raum oft LVS für Lagerverwaltungssystem genannt). Der Wertfluss macht sichtbar, dass Bestände Kapital, Fläche und Personal binden und Kosten verursachen. Ein Lager ist nur dann leistungsfähig, wenn alle drei Flüsse zusammenpassen.

04 · Vier Anforderungen an den Bestand: Ware muss physisch vorhanden, digital auffindbar, qualitativ verwendbar und wirtschaftlich sinnvoll verfügbar sein. Fehlt eine der vier, ist die Ware im Alltag nicht zuverlässig nutzbar: Liegt sie im Regal, wurde aber falsch gebucht, kann der Verkauf sie nicht zusagen. Ist sie gebucht, aber gesperrt, darf sie nicht ausgeliefert werden.

Typischer Fehler

«Die Ware liegt im Regal, also ist sie verfügbar.»

Ursache: Physische Anwesenheit wird mit Verfügbarkeit gleichgesetzt, Buchung, Status und Qualität werden nicht geprüft.

Folge: Der Verkauf sagt dem Grosskunden 80 Kaffeemaschinen zu, im Regal liegen 62 verwendbare. Der Auftrag verspätet sich, der Kunde reklamiert.

Besser: Verfügbarkeit immer aus vier Blickwinkeln prüfen: vorhanden, gebucht und auffindbar, qualitativ frei und rechtzeitig.

Mini-Fall

80 im System, 62 im Regal

Frau Brunner fragt nach den 80 Kaffeemaschinen für den Grosskunden. Das System zeigt Bestand 80. Der Kommissionierer zählt 62 Stück im Regal, 10 weitere stehen gesperrt im Wareneingang (Verpackung beschädigt), 8 wurden gestern kommissioniert, aber noch nicht ausgebucht.

  • Systembestand 80
  • Regal 62
  • gesperrt 10
  • kommissioniert, nicht ausgebucht 8

Aufgabe: Wie viele Kaffeemaschinen sind tatsächlich verfügbar, und welche Flüsse sind gestört?

Musterlösung aufklappen

Von den 80 im System sind 8 bereits kommissioniert, die Ausbuchung fehlt: 80 − 8 = 72 Stück sind noch physisch vorhanden. Davon stehen 10 gesperrt im Wareneingang: 72 − 10 = 62 Stück. Das stimmt mit den 62 freien Maschinen im Regal überein, tatsächlich verfügbar sind also 62 Stück. Gestört ist der Informationsfluss (Auslieferung nicht ausgebucht, Sperrstatus nicht im Bestand berücksichtigt), der Materialfluss ist in Ordnung.

Merkpunkte und Prüfungsanker

Merkpunkte und Selbstcheck

  • Lager ist der Ort, Lagerung die Tätigkeit, Lagerlogistik die geplante, kontrollierte und dokumentierte Führung der Güter.
  • Fünf Funktionen: Zeit-, Mengen-, Raum-, Qualitätsausgleich und Sicherung.
  • Material-, Informations- und Wertfluss müssen zusammenpassen.
  • Verfügbar ist, was vorhanden, gebucht, frei und rechtzeitig ist.

Welche der fünf Ausgleichsfunktionen erfüllt dein Lager am stärksten?

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Prüfungsanker (QV)

Prüfungsfrage: Erkläre, was Lagerlogistik von blossem Lagern unterscheidet.

Musterlösung aufklappen

Lagern ist das Aufbewahren von Ware. Lagerlogistik ist die geplante, kontrollierte und dokumentierte Führung der Güter zwischen zwei Prozessschritten: annehmen, prüfen, identifizieren, einlagern, schützen, verfügbar halten, kommissionieren, verpacken und dokumentieren. Sie sorgt dafür, dass Ware physisch vorhanden, digital auffindbar, qualitativ verwendbar und wirtschaftlich sinnvoll verfügbar ist, und verbindet dazu Material-, Informations- und Wertfluss.

Vertiefe das Thema

Diese Lernprobe stammt aus «Was Lagerlogistik bedeutet: Praxisstart bei der Limmat Logistik AG, Lager, Lagerung und Lagerlogistik abgrenzen, fünf Ausgleichsfunktionen und die drei Flüsse Material, Information und Wert». Im Kurs findest du die vollständige Lernfolge mit interaktiven Übungen und gespeichertem Fortschritt.

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